Archiv für April 2009

Literaturkritik

Freitag, 24. April 2009

Wolfgang Albrecht wählt in seinem Lehrbuch zur “Literaturkritik” einen sehr theoretischen Ansatz. Dadurch liest sich das Buch manchmal etwas sperrig, ermöglicht bei gründlicher Lektüre aber einen Tiefgang, der Systematik in das Feld des Bewertens von Literatur bringt.

Der Autor bevorzugt dabei eine quasi ahistorische Orientierung und arbeitet die Literaturkritik thematisch sortiert ab. Das bringt wiederum den Nachteil mit sich, dass der Leser wieder und wieder durch die gleichen Epochen und Phasen muss, um erst den einen und dann einen anderen Aspekt erläutert zu bekommen. Das kann schon mal etwas verwirren.

Wolfgang Albrechts Buch ist auch mehr als Anstoß weiterer Forschung zu verstehen, denn er zeigt vor allem auf, wo noch Wissenslücken existieren, ohne diese zu schließen. Entsprechend umfangreich ist das Literaturverzeichnis, das wohl vor allem Lust auf weitere Lektüre machen soll.

Wolfgang Albrecht: Literaturkritik. , J.B. Metzler, 2001, ISBN-13: 9783476103383, 12,90 Euro

Rezension und Kritik

Donnerstag, 23. April 2009

Das in der Ratgeberreihe für Journalisten erschienene Buch “Rezension und Kritik” von Edmund Schalkowski versucht Theorie und Praxis der journalistischen Kulturkritik zu vereinen. Dabei beschränkt er sich inhaltlich nicht auf die Literaturkritik, sondern erörtert die Kunstkritik an sich. Formal hingegen grenzt er gegen Glosse und Kommentar ab.

Nach den Erläuterungen zur Kunst-Rezeptions-Theorie vereint der Autor für den praktischen Teil Beiträge verschiedener Kritiker zu den Themen: Architektur, Bildende Kunst, Design, TV und Film, Fotografie, Literatur sowie Lyrik.

Insgesamt überzeugt das Buch nicht durchgehend, da die einzelnen Artikel zu alleinstehend sind und kaum redaktionelle Herausgeber-Tätigkeit wahrzunehmen ist. Auch ist der Buchtitel etwas irreführend, “Kunstkritik” hätte in anbetracht der inhaltlichen Vielfalt und gleichzeitigen starken Verallgemeinerung der Theorie zur Kunstwahrnehmung besser gepasst. Der Schwerpunkt liegt keinesfalls auf der Film- oder Literaturkritik, wie das Wort “Rezension” im Titel vermuten lässt.

Edmund Schalkowski: Rezension und Kritik, UVK Verlagsgesellschaft 2005, ISBN-13: 9783896693419, 24,90 Euro

Der Einfluss von Literaturkritik auf den Absatz von Publikumsbüchern

Mittwoch, 22. April 2009

Es ist die alte und ewige Frage: Hat die Literaturkritik überhaupt Einluss auf die Verkaufszahlen eines Buches? Macht eine herausragende Besprechung in den großen deutschsprachigen Zeitungen einen Bestseller aus einem Buch? Kann ein Verriss den Absatz des besprochenen Werkes verringern oder heizt er ihn gerade an? Fragen, denen Wendy Kerstan in ihrer Untersuchung “Der Einfluss von Literaturkritik auf den Absatz von Publikumsbüchern” systematisch auf den Grund geht.

Eine wirkliche Antwort kann die Autorin jedoch nicht liefern. Zu ungenau bleiben die Korrelationen zwischen Rezension und Verkaufszahlen, lediglich die Erwähnung eines Buches in Elke Heidenreichs TV-Sendung “Lesen!” führt immer zu einem erhöhten Absatz. Allerdings wird das TV-Format nicht den Kriterien für Literaturkritik gerecht, es handelt sich um persönliche Lesetipps.

Literaturkritik und Rezensionen bleiben also vor allem Selbstzweck. Sie sind eine bestimmte Gattung des Kulturjournalismus und werden erstens um ihrer selbst willen gelesen und zweitens, weil sie einen öffentlichen Diskurs entfachen (können). Besonders bei Sach- und Fachbüchern sind Rezensionen oft auch eine Stellungnahme zum Thema an sich.

Wendy Kerstan: Der Einfluss von Literaturkritik auf den Absatz von Publikumsbüchern, Verlag LiteraturWissenschaft.de, 2006, ISBN-13: 9783936134162, 18.60 Euro